Tagung: Aufbruch zu Demokratie und Nationalstaatlichkeit in Mittel- und Ostmitteleuropa? Aktuelle Forschungen mit Fokus auf die lokale Ebene (1917–1923)

Datum konání: 
3. 12. 2018, 0:00 - 4. 12. 2018, 0:00

Adressen:

  • TIL, Raum 110 (Tillich-Bau, Helmholtzstr.6/8, 01069 Dresden)
  • GER, Raum 038 (von-Gerber-Bau, Bergstr. 53, 01069 Dresden)
  • WEB, Raum 141 (Weberplatz 5 / Teplitzer Str.16, 01217 Dresden)

Veranstalter: Technische Universität Dresden. Institut für Geschichte; Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismus e. V. an der Technischen Universität Dresden; Masarykův ústav a Archiv AV ČR

 

cs-1918.jpg?itok=4ntCSwEf In der Mitte Europas kam es nicht erst mit dem Waffenstillstand 1918 und der Gründung neuer Staaten zu tiefgreifenden politischen wie sozialen Umwälzungen. Der Russischen Revolution 1917 folgte der in der Historiografie lange in seiner Bedeutung unterschätzte Vertragsschluss von Brest-Litowsk, der jüngst in Anlehnung an den Wilsonian Moment (Erez Manela) als „Brest-Litovsk Moment“ (Borislav Chernev) für das östliche Europa bezeichnet wurde.

Bereits hier begann die staatliche Souveränität der Imperien zu erodieren und alternative Konzepte der Selbstverwaltung und Herrschaftssicherung wurden erprobt. Dies äußerte sich in der Bildung Dutzender kleiner „Saisonstaaten“ ebenso wie im Auftreten lokaler Räte unterschiedlichster Formation und Motivation, um die wegbrechende Staatsmacht zu ersetzen und eine eigene politische Agenda zu forcieren.

Der Workshop hat das Ziel, die Transformationsprozesse der Nationalisierung und Demokratisierung in Mittel- und Ostmitteleuropa zwischen 1917 und 1923 in ihren Verflechtungen von der internationalen bis lokalen Ebene zu problematisieren. Dabei sollen vor allem Kontinuitäten und Brüche des politischen und gesellschaftlichen Wandels mit ihren Auswirkungen auf der bislang unterforschten lokalen und regionalen Ebene herausgearbeitet werden (etwa die – sich bildenden – Institutionen und zentrale Akteure/Akteurinnen). Von besonderem Interesse ist dabei, wie sich Prozesse der Nationalisierung und Demokratisierung in einer Gemengelage aus „top down“-Entscheidungen und „bottom up“-Prozessen in multiethnischen Grenzräumen vollzogen. Gerade auf lokaler Ebene boten sich dabei Spielräume, um erfolgreich Interessen sozialer Gruppen zu artikulieren und zwischen ethnischen Gruppen auszugleichen, die so auf zentralstaatlicher Ebene nicht erreichbar waren. Auch waren Frauen nicht erst seit 1918 an Prozessen der Demokratisierung und Nationalstaatsbildung beteiligt, deren wichtige Rolle bislang marginalisiert und ihrem Wirken auf lokaler und nationaler Ebene kaum Beachtung geschenkt wurde.

Die Konzeption der Tagung entstand in Zusammenarbeit zwischen dem am Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung angelagerten, interdisziplinären Forschungsprojekt „Aufbruch zu Demokratie und Nationalstaatlichkeit im Dreiländereck. Deutschland – Polen – Tschechoslowakei nach dem ‚Großen Krieg‘ (1918–1923)“ und Tim Buchen, BKM-Juniorprofessor für „Soziale und ökonomische Netzwerke der Deutschen im östlichen Europa im 19. und 20. Jahrhundert“ an der TU Dresden. Die Tagung findet in Zusammenarbeit mit dem Prager Masaryk-Institut – Archiv der AV ČR statt.

 

Tagungsprogramm

 

3. Dezember 2018 (TIL, Raum 110)

16:00 – 16:15 Uhr: Tagungseröffnung

16:15 – 18:00 Uhr

Neuordnungskonzepte nach dem „Großen Krieg“ I

Kommentar: Rudolf Kučera (Prag)

  1. Moritz A. Sorg (Freiburg): Das Ende eines Staatsgründungsmodells? Der Erste Weltkrieg und die Idee der Fremdmonarchie in Europa
  2. Dr. Ingo Eser (Köln): Die Schlonsakenbewegung im Teschener Schlesien angesichts der staatlichen Veränderungen nach dem Ersten Weltkrieg
  3. Dr. Ingo Loose (Berlin): Die Wiedergeburt Polens 1918 als Problem für die Geschichtsschreibung

18:00 – 18:30 Uhr: Pause und Raumwechsel (GER 038)

18:30 – 20:00 Uhr: öffentlicher Abendvortrag (GER 038)

Dina Gusejnova (Sheffield): Das Ereignis als Fluchtpunkt: Brest-Litowsk in der politischen Erinnerungskul tur des 20. Jh.

Anschließend Diskussion

Kleiner Empfang mit Buffet

 

4. Dezember 2018 (WEB, Raum 141)

09:00 – 10:45 Uhr: Panel 2

Neuordnungskonzepte nach dem  „Großen Krieg“ II

Kommentar: Dr. Friederike Kind-Kovács (Dresden)

  1. Dr. Ana Kladnik (Dresden): Between the Habsburg and Karađorđević: Nationalisation and Democratisation from Bellow in post-WWI “Slovenian” Styria
  2. Dr. Miloslav Szabó (Bratislava): Die „Plünderungen“ in Oberungarn im Herbst 1918 – Anarchie oder Revolution?
  3. JP. Dr. Tim Buchen (Dresden): Republika Tarnobrzeska. Wilsonian Moment und lokale Traditionslinien in der Westgalizischen Bauernrepublik

10:45 – 11:00 Uhr: Kaffeepause

11:00 – 12:45 Uhr: Panel 3

Vergleichende Perspektiven

Kommentar: Dr. Stephanie Zloch (Dresden)

  1. Dr. habil. Ibolya Murber (Budapest): Der politische Kampfbegriff „Demokratie“ in den direkten Nachkriegsjahren. Österreich und Ungarn im Vergleich
  2. Dr. Christine Absmeier (Stuttgart): Die Erfindung der deutschen nationalen Minderheit im Vorfeld des Friedens von Brest-Litovsk. Wechselwirkungen zwischen dem Deutschen Reich und Ostmitteleuropa
  3. PD Dr. Steffen Kailitz / Sebastian Paul / Matthäus Wehowski (Dresden): Die Transformation zu Demokratie und Nationalstaatlichkeit im Dreiländereck Deutschland – Polen – Tschechoslowakei nach dem „Großen Krieg“ (1918-1923)

12:45 – 14:00 Uhr: Mittagspause

14:00 – 15:45 Uhr: Panel 4

Stadtgeschichtliche Perspektiven

Kommentar: Prof. Dr. Mike Schmeitzner (Dresden)

  1. Dr. Torsten Lorenz (Berlin): Deutschland - Polen - Versailles. Stadt und Kreis Birnbaum (Międzychód)
  2. Adrian Mitter (Marburg): Competing Concepts of Governance in the Free City of Danzig (1919-1923)
  3. PD Dr. Heidi Hein-Kircher (Marburg): Diskontinuitäten? Die polnische Lokalverwaltung in Lemberg (Lwów/L‘viv) und ihre Strategien zur Integration in einen polnischen Staat

15:45 – 16:15 Uhr: Schlussdiskussion

 

Tagungsprogramm (pdf)

Call for Papers (pdf)