Konferenz / Conference: Found in translation? Ästhetische und soziokulturelle Funktionen literarischer Übersetzungen in Europa zwischen 1890 und 1939 / The aesthetic and sociocultural functions of literary translation in Europe between 1890 and 1939

Datum konání: 
30. 5. 2019, 0:00 - 31. 5. 2019, 0:00

Venue / Tagungsort: Österreichisches Kulturforum Prag, Jungmannovo náměstí 18, Praha 1

Conference languages / Konferenzsprachen: English, German

Contacts / Kontakt: Lucie Merhautová, merhautova@mua.cas.cz; Michal Topor, michal.topor@ipsl.cz

Deadline for applications / Anmeldung: 28. 1. 2019

Members of the project Found in Translation. Emil Saudek and Jewish, Czech and German interactions in the ‘creative milieu’ of Vienna:

Lucie Merhautová, Ines Koeltzsch, Václav Petrbok, Vratislav Doubek (MÚA AV ČR)

Michal Topor, Josef Vojvodík, Štěpán Zbytovský (IPSL)

 

found-in-translation_poster.jpg?itok=-KEjeo88 One of the expressions of the cultural turn in the human sciences is increased attention paid to translation and its processes. Concomitantly, the concept of translation is brought into a wider context of cultural practice, where it acquires new meanings and possibilities of conceptualisation. At the same time, the shift in focus towards translation can inspire traditional disciplines to undertake intercultural and interdisciplinary studies of translation viewed as the intersection of literary, translatological, cultural, social, economic and legal history.

For a long time, translators were invisible to translatological approaches concentrating on linguistic and semantic analysis, as well as artistic evaluation, of translation in relation to the original. The starting point of the conference is the interdisciplinary project Found in Translation. Emil Saudek and Jewish, Czech and German interactions in the ‘creative milieu’ of Vienna, which focuses on historically contextual study of translation. The conference will examine the active role of translators in intercultural literary communication, asking about their motivations, which might not be primarily aesthetic, but also social or economic. It will look at the socioculturally integrative function of translation for translators, while simultaneously investigating the significance of translation in the development of aesthetic modernism. The conference will concentrate on the changing position of the translator in translation processes and on cultural interaction through translation between “major” and “minor” languages and cultures, doing so particularly in relation to politically constructed cultural borders and conflicts and multicultural and multilingual milieus (e.g. Vienna prior to 1914). It will pose questions regarding the impacts of the political revolutions tied to the transition from an imperialist order, whether to that of nation states with multinational democracy or the authoritative regimes and dictatorships of the interwar period, on translation processes and on the self-reflection of translators.

The conference will focus on translators of modern literature, beginning with early naturalist and symbolist modernism at the end of the 19th century, through the birth of expressionism, the avant-garde and other literary movements, until the end of the 1930s. Although contributions concentrating on Central Europe will be given preference, comparative papers with an European scope are also welcome.

 

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Found in Translation? Ästhetische und soziokulturelle Funktionen literarischer Übersetzungen in Europa zwischen 1890 und 1939

Im Zuge des cultural turn in den Geisteswissenschaften erfuhren auch die Übersetzung und Übersetzungsprozesse in den vergangenen Jahren eine erhöhte Aufmerksamkeit. Der Begriff der Übersetzung wurde dabei erheblich erweitert und als kulturelle Praxis verstanden, wodurch er eine Vielzahl von Bedeutungen und Konzeptualisierungsmöglichkeiten hinzugewann. Die Hinwendung zum Übersetzungsbegriff regte nicht zuletzt die traditionellen Disziplinen an, Übersetzung stärker als bisher an der Schnittstelle von Literatur-, Kultur-, Sozial-, Wirtschafts- und Rechtsgeschichte in ihren interdisziplinären und interkulturellen Zusammenhängen zu erforschen. Zugleich rückten die ÜbersetzerInnen als künstlerische und historische Akteure stärker in den Blickpunkt. Diese waren nämlich lange Zeit vor allem für jene translatologischen Zugänge unsichtbar, die sich auf eine sprachliche und semantische Analyse sowie auf eine künstlerische Beurteilung der Übersetzung in Beziehung zum Original konzentrierten.

Die geplante Konferenz wird im Rahmen des interdisziplinär ausgerichteten und am Masaryk Institut und Archiv der Tschechischen Akademie der Wissenschaften sowie dem Institut für das Studium der Literatur in Prag angesiedelten Projekts Found in Translation. Emil Saudek and Jewish, Czech and German interactions in the ‚creative milieu‘ of Vienna stattfinden, dessen Ziel eine historische Kontextualisierung tschechisch-deutscher literarischer Übersetzungsprozesse ab Ende des 19. Jahrhunderts ist. Im Mittelpunkt der Konferenz stehen die LiteraturübersetzerInnen als historische Akteure, ihre sich wandelnde Rolle in Übersetzungsprozessen und interkulturellen, literarischen Kommunikationszusammenhängen sowie ihre Motive, die nicht immer primär ästhetischer, sondern auch sozialer, kultureller und wirtschaftlicher Natur waren. Darüber hinaus wird nach der soziokulturellen Integrationsfunktion von Übersetzung für die ÜbersetzerInnen selbst sowie nach der Bedeutung der Übersetzung für die Entwicklung der ästhetischen Moderne gefragt. Schließlich soll auch die vermittelnde Rolle von Übersetzungen und ÜbersetzerInnen zwischen „großen“ und „kleinen“ Sprachen und Kulturen untersucht werden. Dies schließt die Erforschung ihrer Einstellung zu den politisch konstruierten kulturellen Grenzen und Konflikten in multikulturellen und mehrsprachigen Umwelten wie zum Beispiel im Wien der Jahrhundertwende ein. Auf der Konferenz sollen daher auch die Auswirkungen der politischen Revolutionen, die dem Übergang von der imperialen Ordnung zu den multiethnischen Nationalstaaten einhergingen, auf die Übersetzungsprozesse und das Selbstverständnis von ÜbersetzerInnen erörtert werden.

Im Fokus werden ÜbersetzerInnen der literarischen Moderne stehen, beginnend mit dem frühen Naturalismus und Symbolismus am Ende des 19. Jahrhunderts bis hin zum Expressionismus, der Avantgarde und weiteren literarischen Bewegungen bis Ende der 1930er Jahre. Bevorzugt werden Beiträge, die sich auf Mitteleuropa konzentrieren, begrüßt werden jedoch ausdrücklich auch vergleichende Perspektiven im gesamteuropäischen Rahmen.

 

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Programm

 

Donnerstag, 30. Mai 2019

 

8:45 Anmeldung

9:00 Eröffnung der Tagung

 

9:30 Keynote Vorträge

Moderation: Lucie Merhautová

  • Renata Makarska (Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Germersheim): Übersetzerforschung als ein neuer Schwerpunkt der Translationswissenschaft (Blick auf neue Tendenzen und Projekte)
  • Hartwig Kalverkämper (Humboldt-Universität, Berlin): Die Kulturdimension in der Translationswissenschaft

10:30 Diskussion

 

11:00 Kaffeepause

 

11:30 „Kleine“ Übersetzungskulturen

Moderation: Štěpán Zbytovský

  • Veronika Tucker (Slavic Languages and Literatures, Harvard University): Ultraminor Literature and Translation
  • Matouš Hájek (Filozofická fakulta UK, Praha): Otokar Fischer: Life between two languages and three cultures

 

12:30 Mittagspause

 

14:00 Moderation: Veronika Tucker

  • Martina Niedhammer (Collegium Carolinum, München): Conserver les images et les épithètes". Sigismund Bouška und seine Übersetzungen aus "kleinen" romanischen Sprachen im Kontext der Katholischen Moderne
  • Alena Fry (Hankuk University of Foreign Studies, Korea): On the Nature and Sources of Artistic Creation: Albert Vyskočil’s Dialogue with E. A. Poe

14:40 Diskussion

 

15:00 Kaffeepause

 

15:20 ÜbersetzerInnen als kulturelle MittlerInnen?

Moderation: Ines Koeltzsch

  • Lucie Merhautová (Masarykův ústav a Archiv AV ČR): „Wien als Brücke nach Europa“. Emil Saudek und seine Übersetzungskonzepte
  • Václav Petrbok (Ústav pro českou literaturu AV ČR): Emil Saudek, Rudolf Illový und Otto Kraft auf dem Weg zur kulturellen Vermittlung und Übersetzung

16:00 Diskussion

 

16:30 Kaffeepause

 

16:45 Moderation: Václav Petrbok

  • Jan Budňák (Ústav pro českou literaturu AV ČR): Literarische und politische Transfers. Heinrich Herbatschek zwischen dem J. S. Machar von 1900 und dem von 1939
  • Carmen Sippl (Pädagogische Hochschule Niederösterreich): Der „würdige Mittler“: Alexander Eliasberg zwischen Thomas Mann und Dmitrij Merežkovskij

 

Freitag, 31. Mai 2019

 

9:00 Keynote Vortrag. Moderation Hartwig Kahlverkämper

  • Jörn Albrecht (Universität Heidelberg): Franz Kafka auf Englisch und in einigen romanischen Sprachen. Übersetzungstheoretische Überlegungen zwischen Sprach- und Literaturwissenschaft

9:40 Diskussion

 

10:00 Übersetzung und Gender

Moderation: Martina Niedhammer

  • Anna Artwińska (Universität Leipzig): Translation, Feminismus, Moderne: Übersetzungsbiografien von Tadeusz Boy-Żeleński und Zofia Żeleńska
  • Justýna Górny (Uniwersytet Warszawski): Otto Weiningers Geschlecht und Charakter in Polen. Die Rezeption vor der Übersetzung und danach
  • Eva Kalivodová (Filozofická fakulta UK, Praha): A modernist translator: Staša Jílovská

11:00 Diskussion

 

11:30 Kaffeepause

 

11.50 Kulturpolitische Dimensionen der Übersetzung

Moderation: Aleksey Tashinskiy

  • Maciej Górny (Instytut Historii im. Tadeusza Manteuffla PAN / German Historical Institute Warsaw): Right book, right time. Wartime translations and political reconfiguration of Europe, 1914–1919
  • Paweł Zajas (Universytet im. Adama Mickiewicza w Poznaniu / Deutsches Literaturarchiv Marbach): Literatur als Kulturpolitik. Alexander Von Guttrys Polnische Bibliotheken (1916–1939)
  • Štěpán Zbytovský (Filozofická fakulta UK, Praha): Übersetzer in Kurt Wolffs Verlagsprogramm. Emil Saudek, Otto Pick, Rudolf Fuchs

12:50 Diskussion

 

13:15 Mittagspause

 

14:30

Dichter als Übersetzer

Moderation: Renata Makarska

  • Erich Unglaub (Technische Universität Braunschweig): Übersetzen ohne Kenntnis der fremden Sprache. Intention und Praxis bei Rainer Maria Rilke und Karl Kraus
  • Marina Eder-De Brito: Stefan Zweig als Übersetzer
  • Primus Heinz Kucher (Universität Klagenfurt): Literarische Mehrsprachigkeit und (Selbst)Übersetzung: Aspekte eines Phänomens in der deutschsprachigen Literatur des Exils ab 1933

 

15:45 Kaffeepause

 

16:15 Buchpräsentation Histoire de la traduction littéraire en Europe médiane. Des Origines à 1989 (Antoine Chalvin – Jean-Léon Muller – Katre Talviste – Marie Vrinat-Nikolov /eds./, Presses Universitaires de Rennes, 2019)

  • Katre Talviste (University of Tartu): History of Translation in Central and Eastern Europe – Challenges and Rewards of Building a Comparative Synthesis from Collective Research
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